Exklusive und/oder Inklusive (01.22)

Frau an der Wunderbar in der Factory

Der Mensch hat ein sehr widersprüchliches Wesen, und das macht uns auch interessant. In vielen Dingen könnte ich mit Goethe sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“ Für mich müssen Dinge logisch und strukturiert sein. Und dennoch liebe ich das Spontane, kreativ Gewachsene und Intuitive. Für mich besteht die Kunst des Lebens nicht zuletzt darin, solche Spannungsfelder nicht nur auszuhalten, sondern bewusst zuzulassen und als Schlüssel zu sehen, in einer komplexen Welt voller Gegensätze einen erfolgreichen Weg zu finden.Für mich als „Berufsgläubigen“ übt wohl auch deswegen die Person von Jesus eine grosse Faszination aus. Er war ganz Gott und ganz Mensch. Einen grösseren Widerspruch kann man in sich wohl kaum vereinen. Oder: Jesus nimmt nicht nur für sich in Anspruch, eine absolute Wahrheit zu lehren. Er sagte sogar etwas, was seit der Postmoderne, als Toleranz zum neuen Absolutheitsanspruch wurde, gedanklich verboten ist: „Ich bin die Wahrheit in Person. Niemand kann den Weg zu Gott finden, es sei denn durch die Beziehung mit mir“ (sehr frei formuliert nach Johannes 14: 6+7). Das ist an sich schon ein Paradox: absolute Wahrheit über den subjektiven Weg einer persönlichen Beziehung entdecken. Ich finde das herrlich! Schade ist nur, dass die Kirche insgesamt und wir als Christen individuell mit solchen Spannungsfeldern schlecht umgehen können. Während es Jesus um den Zugang zu Gott geht, missbrauchen wir seinen Wahrheitsanspruch zum ab- und ausgrenzen. Dabei hat Jesus doch auch gesagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“ (Johannes 6: 37). Jesus zeigt hier echte Toleranz: Jesus weist mich nicht zurück, auch wenn er so manches gewiss nicht so sieht wie ich…. Wobei die Chancen sehr gut stehen, dass er rechter hat als ich 😉 . 

Jesus bringt Exklusivität mit Inklusion zusammen. 

Herzlich willkommen in der Factory. 

Andi Fuhrer

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