Gott, meinst Du es gut? (03.22)

Python Brücke Amsterdam

Ich werde demnächst einer Schulklasse erzählen, weshalb ich heute mit viel Begeisterung eine Arbeit tue, von der ich überzeugt war, dass sie mich unglücklich machen würde, an einem Ort, wo ich nicht hinwollte und zu einem Lohn, den wohl die meisten Sozialhilfebezüger nicht akzeptieren würden. Das ist schon eine gute Frage… 

Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich mich gut 15 Jahre meiner Jugend heftigst gegen den Gedanken einer drohenden Berufung zum Heilsarmee-Offizier (das ist die offizielle Berufsbezeichnung für einen vollzeitlichen Dienst in der Heilsarmee) gewehrt hatte. Meine Eltern übten bereits diesen Dienst aus, was meine Brüder und mich alle auf irgend eine Art traumatisiert hatte. Für mich war klar: das kann und will ich niemals! 

Dass ich diesen Weg trotzdem eingeschlagen habe und dabei auch noch glücklich geworden bin, ist schon ein Wunder und für mich auch heute noch nicht ganz einfach mit wenigen Worten zu erklären. 

Ich versuche es mal so: 

Seit der Eröffnung der Factory gehört es zu unserem Alltag, dass neugierige Passanten in unser Lokal kommen und erstaunt fragen, was denn das hier genau sei. Am Ende so einer kommentierten Besichtigung fügte ich an: «… und unterdessen wohne ich auch hier!» – «Ach so, ist das Ihre Loft?» 

Ich meinte eigentlich, dass wir als Familie vor einiger Zeit in eine Wohnung im selben Gebäude gezogen sind. Aber mein Besucher verstand, dass ich in der Factory selber wohnen würde. 

Dabei traf er etwas mitten in meinem Herzen: Als ich vor 20 Jahren Gott gewissermassen einen Blanko-Check unterschrieben hatte, um Heilsarmee-Offizier zu werden, war dies für mich ein riesiger Vertrauensschritt. Ich verzichtete auf einige Dinge, die für mich ganz schwierig waren, loszulassen. Das Herausfordernste war, die Selbstbestimmung über mein Leben nicht nur «irgendwie geistlich» an Gott abzugeben, sondern ganz konkret und praktisch in die Hände einer menschlich ziemlich unperfekten Organisation zu legen, welche ganz einfach entscheiden kann, wann ich wo mit wem für welche Aufgabe eingesetzt werden soll. Dazu kamen auch ein paar weniger wichtige Dinge. So träumte ich davon, einmal in einer alten Fabrikhalle zu wohnen mit einem Gemisch aus Wohnraum, Musiklokal und Künstleratelier. Die Wahrscheinlichkeit, als Heilsarmeeoffizier in der Schweiz eines Tages in einer Künstlerloft zu leben, ist wohl ziemlich bei Null. 

Dann schickte uns die Heilsarmee Widerwillen nach Luzern und wir wurden von der Factory überrascht. 

Jesu Jünger hatten auch Angst, für ihren Meister alles aufzugeben. Er forderte sie mit folgenden Worten heraus (sinngemäss nach Matthäus 6:33): «Kümmert Euch zuerst um Gottes Anliegen und seine Gerechtigkeit. Und er wird sich um uns und unsere Bedürfnisse kümmern.» 

Andi Fuhrer

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