Out of the Box (07.-08.22)

exBox-Bühne mitTanzgruppe J-Way)

Für das kürzliche Heilsarmee-Festival „Out of the Box“ durfte ich eine grosse Kunstinstallation zu bauen, welche in der Begegnungszone als Kleinbühne für allerlei kreative Darbietungen diente. 

Inspiriert vom Festival-Titel wollte ich etwas Ungewöhnliches entwerfen, das den Rahmen sprengt. Die Kraft der Kreativität bringt unsere Alltagskiste der Gewohnheiten zum Explodieren. 

Ich plante alles minutiös. Konstruktion und Transport verliefen auch ziemlich nach Plan. Mit ein paar Helfern klebten und schraubten wir die 200 Bilderrahmen auf ein Gerüst aus fast 400 Metern Holzlatten.  Alles ging gut, bis wir die vier Seitenwände aufstellen und zu einem Würfel montieren wollten. Da ging gar nichts mehr. Ich hatte die schiere Grösse meiner Kreation unterschätzt, und wir waren schlicht nicht fähig, dieses Ding zum Stehen zu bringen. Ich war ratlos und begann mich schon innerlich von meinem Projekt zu verabschieden. 

Dass dieser 5 Meter hohe Kubus nach langen Stunden und zig Versuchen um ein Uhr nachts dann trotzdem an seinem Platz stand, verdanke ich meinen zwei Rettern! Beide hätten eigentlich anderes zu tun gehabt und warteten sehnlichst darauf, sich nach mehreren sehr langen und schweren Arbeitstagen für ein paar Stunden ausruhen zu können. Stattdessen leisteten sie einen sechsstündigen Extra-Einsatz, um meinen Fehler aufzufangen. Dabei schluckte jeder seinen Ärger über meine Inkompetenz hinunter. Abgesehen von ein paar bissigen Witzen über die Montage von wackeligen Ikea-Möbeln machte mir niemand Vorwürfe, und alle setzten sich ein, um mein Projekt zu retten. 

Das Resultat war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ohne Abstriche. Die „exBox“ fand Anklang und trug zum Gelingen des Festivals bei, das in mancher Hinsicht „Out of the Box“war. Aber das Ausseror-dentlichste an diesem Event war für mich diese Erfahrung, in meinem Versagen nicht verurteilt, sondern getragen zu werden. Wie wir miteinander umgehen, gerade auch wenn es uns etwas kostet – darauf kommt es viel mehr an als auf ein tolles Festival-Programm.

Liebe Sommer-Grüsse

Andi Fuhrer 

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