Siehe, ich schaffe alles neu! (02-2026)

Deutsch

Wie jedes Jahr hat die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen einen Bibelvers zur «Jahreslosung» erkoren. Obwohl dieser Vers schon Jahre im Voraus bestimmt wurde, passt er eigentlich ganz gut zur aktuellen Weltlage. Er stammt aus dem Buch der Offenbarung, wo der Seher Johannes das apokalyptische Ende der Welt beschreibt, bis Gott ganz am Schluss ebendiesen Satz ausspricht: Siehe, ich schaffe alles neu!
Die Erde wird untergehen und einer der Schöpfung 2.0 Platz machen.
Aber dürfen wir diesen Satz einfach so vom Ende weg in unsere aktuelle Zeit hinein in Anspruch nehmen?
Ich glaube, ja! Und zwar nicht, weil gerade mal wieder etwas besonders stark Weltuntergangsstimmung herrscht. Sondern weil es in Gottes Natur ist, Neues zu schaffen.
Als Kind lernte ich in meiner christlichen Erziehung (zumindest habe ich das ungefähr so verstanden): Vor langer Zeit hat Gott mal Himmel und Erde erschaffen. Nach sechs Tagen war sie fertig. Seither geht alles den Bach runter. Am Ende geht sie ganz unter und Gott schafft uns braven Gläubigen im Himmel eine zweite Erde, wo dann Löwe und Lamm friedlich zusammen grasen und wir in weissen Gewändern einen ewigen Gottesdienst feiern.
Seit der Erschaffung der Erde, als noch alles gut war, trauern wir dem verlorenen Paradies nach und versuchen, die verbliebenen Reste zu bewahren. Unterdessen tragen wir tapfer unser tägliches Kreuz und sehnen uns nach der Ewigkeit.
Hier liegt wohl der Grund, warum religiöse Menschen stark dazu neigen, konservativ zu sein und / oder den Weltuntergang zu predigen.
Aber ich lebe weder im Paradies noch im Himmel, sondern in der Gegenwart. Und da sagt mir Gott: «Schau, ich schaffe etwas Neues! Hier und jetzt. Es spriesst schon. Siehst Du es nicht?»
Das ist Gottes Wesen als Schöpfer. Er ist total anti-konservativ.
Aber ist er nicht auch ewig unveränderbar? Ja genau: unveränderbar kreativ. Er hat nie aufgehört, Schöpfer zu sein. Er kann nicht anders, als neues Leben bewirken. Die Schöpfung war nicht nach sechs Tagen vollendet. Sie spriesst und verändert sich fortwährend und erfindet sich gewissermassen täglich neu. Jede Blume und jedes neugeborene Kind ist eine neue Kreatur.
Ich glaube, darin liegt das göttliche «Prinzip Hoffnung»: Auch wenn alles drunter und drüber geht, und der Acker komplett umgepflügt wird: es spriesst Neus. Laufend und immer wieder.

Liebe Grüsse und einen gesegnetes neues Jahr
Andi Fuhrer