Koste selbst (08/09-2026)

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Vor kurzem kochte ich ein feines Essen zum Geburtstag meiner Frau. Da sie meine Currys mag, war das Menu eigentlich schon gegeben. Aber ich wollte dem Gericht eine ganz besondere Note geben. Vor einiger Zeit habe ich die Tonka-Bohne entdeckt, und ich hatte Lust, etwas Neues zu kreieren. Die im Ofen gebackenen Süsskartoffeln, mit Honig und Tonka mariniert, gelangen bestens und passten hervorragend zum pickanten Crevetten-Ingwer-Curry. 

Das klingt lecker. Aber können Sie auch wirklich beurteilen, ob es Ihnen geschmeckt hätte? Das kommt ganz drauf an, ob Sie die Tonka-Bohne kennen. 

Ihr süsslicher Geschmack erinnert etwas an Vanille und an Mandeln. Aber das greift zu kurz. Eigentlich ist dieser einzigartige Geschmack kaum zu beschreiben – genauso, wie viele andere Gewürze übrigens. Oder können Sie das Aroma einer Muskatnuss oder von Zimt jemandem erklären, der diese nicht schon gekostet hat? 

Wenn ich lese, dass ein Kaffee mehr eine fruchtige oder eher eine nussige Note hat, dann sagt mir das etwas, weil ich Kaffee bereits kenne und auch geschmackliche Nuancen schätzen kann. Wenn hingegen jemand einen Wein als eher grasig oder als ausgewogen bezeichnet, ist meine Vorstellung davon als Abstinenzler möglicherweise ziemlich unzutreffend. 

Ob gutes Essen oder Mitmenschen: Um sie wirklich zu kennen, muss man sie … kennenlernen. Eine theoretische Beschreibung mag hilfreich zur Beurteilung sein, aber letztlich muss die objektive Distanz der subjektiven Begegnung weichen. Am besten gleich den neuen Nachbarn zu Tonka-Süsskartoffeln einladen und damit beide kennenlernen. 

So verhält es sich auch mit Gott. Viele eifrige Christen legen sich mächtig ins Zeug, um ihrem Mitmenschen Gott und ihren Glauben zu erklären. Seit ich denken kann, glaube ich an Gott – also immerhin schon unegfähr ein halbes Jahrhundert. Ich kenne die Theorie über ihn ziemlich gut (meine ich jedenfalls), und habe als Pastor auch gelernt, sie einigermassen korrekt zu erklären. Aber genauso wenig, wie ich nicht durch Botanik und Chemie vom betörenden Geschmack der Tonka-Bohne gewonnen wurde, überzeugt es wenig, Gott nur aus theologisch-objektiver Distanz zu kennen. Ich muss mich auf ihn einlassen. Ich kann lange den Katalog der Religionen oder des Kaffee-Sortimentes studieren. Letztlich muss ich degustieren. 

So steht es auch in der Bibel (Psalm 34, Vers 9): Schmeckt und seht, dass der HERR gut ist. Freuen darf sich, wer auf ihn vertraut!  

Die Güte eines Menschen kann ich aus Distanz beobachten. Aber um sie selber zu erfahren, braucht es einen Kontakt, eine Beziehung. Genauso ist es mit Gott. 

Ein aktuelles persönliches Beispiel: Nach einem zwar guten, aber recht anstrengenden letzten halben Jahr war ich diesen Sommer so richtig ferienreif. Aber durch verschiedene Umstände schien es so, dass wir dieses Mal zuhause bleiben würden. So sagte ich zu Gott: «Du weisst, dass ich dringend eine Verschnaufpause und einen Tapetenwechsel brauche. Ich weiss nicht wie, aber bitte organisiere uns etwas». Dank eines anonymen Zustupfs waren wir ein paar Tage später in Kopenhagen und könnten der hiesigen Hitze etwas entfliehen. 

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ja, Gott schmeckt überzeugend gut. 

Überzeuge Dich selber. 

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